Es ging um Hoffnung - Demo gegen Rechts

Am 1. Februar durfte ich als Votenträgerin der Grünen Jugend Bayern in Nürnberg auf dem Kornmarkt anlässlich der Demo gegen Rechts sprechen.

“Heute soll es um die Hoffnung gehen.

Denn sind wir ehrlich - Hoffnung zu haben - das wird einem gerade nicht leicht gemacht. Die letzten Wochen, besonders die letzte Woche Woche, Mittwoch und selbst der Freitag - mich versetzt das in Hoffnungslosigkeit.

Das Jahr begann mit der Vereidigung von wurde Donald Trump. Ein Präsident, dessen erste Amtshandlungen es war rund 200 Dekrete zu unterzeichnen: raus aus dem Pariser Klimaabkommen, die Ablehnung ALLER Flüchtlinge und Asylbewerber*innen, Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation.

© Anna Mina Morina

Und das schlimme: so oder so ähnlich haben wir das doch erwartet.

Auch wenn jedes einzelne Dekret dieser Welt und den Menschen die darin Leben schadet - wir sind über den Punkt hinaus, der uns verzweifeln lässt, wenn es um diesen Mann geht. Selbst wenn es um Menschenrechte geht. Wie konnte es so weit kommen?

Weil es im selben Atemzug noch weiter geht.

Denn Unternehmen und Medien haben nachgezogen. Insbesondere die Sozialen Medien. Um sich Trump anzubiedern wurden Hashtags wie #democrats (Demokraten), #abortion (Abtreibung) #climatejustice (Klimagerechtigkeit) von Meta eingeschränkt. – eine Rhetorik, die klar macht, dass unsere Rechte und unsere Demokratie scheinbar verhandelbar sind.

Dieser erneute Angriff auf grundlegende Werte zeigt uns, wie fragil das ist, was wir oft für selbstverständlich halten:
Freiheit,
Menschenrechte,
Gleichheit,
Vielfalt,
und Demokratie.

Aber diese Entwicklungen betreffen nicht nur die USA, sondern strahlen auch auf Europa und Deutschland aus.

Und so standen wir bereits vor einem Jahr einmal hier und demonstrierten gegen die abscheulichen Pläne ultra-rechtsextremer, die das erste Mal noch im geheimen über Remigration gesprochen haben.

Schon einmal waren wir wütend - Wir waren laut, wir waren viele - und wir dachten wir haben das Monster besiegt. Doch noch im selben Jahr - scheinbar unbemerkt und gleichzeitig von der breiten Öffentlichkeit toleriert nahm eine Partei, die in unseren Parlamenten auf allen Ebenen sitzt, die in großen Teilen gesichert als Rechtsextrem eingestuft ist, dieses Wort - dieses Vorhaben in ihr offizielles Wahlprogramm auf.

Die Grenze des Unsagbaren hat sich weiter verschoben.

Und so kam es schließlich zu den Ereignissen des letzten Mittwoch.
Am Mittwoch wurde in der Früh den Opfern des Nationalsozialismus gedacht und gerade einmal zwei Stunden später suchte die Union Mehrheiten mit der AfD und fand sie. Die extreme Rechte brach in Jubel aus, fiel sich in die Arme und und andere im Saal weinten.

© Anna Mina Morina

Und auch mich überkamen die Gefühle. Ich empfand Wut, Unverständnis, Trauer. Vor allem dann wenn ich in das Lachen meiner kleinen Tochter sah, die von all dem zum Glück noch nichts versteht. Ich sah sie an und musste weinen. Ich weinte, weil ich froh war, dass sie noch nicht sprechen kann, weil ich ihr nicht erklären hätte können was da gerade passiert.

Die Brandmauer ist gefallen. Ihr "nie wieder" ist nichts wert.

Und damit ist eine Partei, die sich bürgerlich nennt, doch einfach eine Partei, die die bürgerliche Mitte an die Faschisten verrät.

Genauso wie es schon vor 100 Jahren der Fall war - wovor uns Holocaustüberlebende heute warnen.
Warnen, dass sich die Geschichte wiederholen kann - nein, dass die Geschichte gerade auf dem direkten Weg ist, sich zu wiederholen.
Wieder einmal vergiftet Hass unsere Gesellschaft - wieder einmal versucht man mit Angst, Verunsicherung und Ausgrenzung Stimmen zu gewinnen.

Doch so, wie wir hier stehen – wütend, entschlossen, voller Mut – wissen wir:
Noch ist nichts entschieden. Noch haben wir eine Wahl. Noch können wir etwas tun.

Denn Geschichte wiederholt sich nur, wenn wir sie lassen.
Wenn wir still bleiben.
Wenn wir aufhören, zu kämpfen.

Doch genau das werden wir nicht tun. Wir werden laut bleiben. Wir werden widersprechen. Wir werden für das einstehen, was uns verbindet: Eine offene, freie, gerechte Gesellschaft.

Unsere Demokratie, unsere Werte – sie sind nicht selbstverständlich. Sie sind nur so stark, wie wir bereit sind, sie zu verteidigen. Und heute, hier, zeigen wir: Wir sind bereit.

Hoffnung wird nicht geschenkt – sie entsteht im Handeln.
Und genau deshalb stehen wir hier.
Und genau deshalb geben wir nicht auf.

Nie wieder ist jetzt. “



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Danke!

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Der Demokratie-Hase und ich: Robert Habeck in Nürnberg