Meine Rede zur Listenaufstellung

Liebe Freund*innen,

als ich vor Kurzem in meinem Heimatort Altdorf am Rande einer politischen Veranstaltung mit einem älteren Herrn ins Gespräch kam, geschah etwas, das mich weniger überraschte, als es sollte. Lächelnd und leicht herablassend klopfte er mir auf die Schulter und sagte: "Respekt, Frau Pircher, aber glauben sie wirklich dass sie als Frau die Härte der Politik ertragen können? Ich meine, die Sitzungen bis spät in die Nacht, die Konflikte - und wie wollen sie das überhaupt mit ihrer kleinen Tochter schaffen?" 

Diese Bemerkung war kein Einzelfall. Sie steht für ein tief verwurzeltes Problem. Denn mal wieder schmälerte allein mein Frausein meine Kompetenz.

Dieses „Kannst du das überhaupt?“ wurde ich schon gefragt, als ich begonnen habe zu studieren, als ich promovierte, den Schritt als Unternehmerin wagte und als ich mich entschied in die Politik zu gehen.

Ich weiß, dass nicht nur ich diese Erfahrung gemacht habe. Viele Frauen erleben das genauso.
Die Frage ist mal subtiler, mal direkter, aber immer wird uns Frauen zu verstehen gegeben: Politik, Führungspositionen, oder die Selbstständigkeit - das ist nichts für uns.
Zu rau. Zu hart. Zu weit weg von unseren 'eigentlichen' Aufgaben. 'Man tue Frauen damit ja keinen Gefallen' - so benennt es auch Friedrich Merz. 

Wisst Ihr, Frauen wie ich ertragen jeden Tag Härten – in der Familie, im Job, in der Gesellschaft. Die Frage ist eher, ob die Politik bereit ist, von dieser Stärke endlich zu lernen.

Es gibt schon genug Friedrichs, Christians und Markusse auf dieser Welt für die Gleichberechtigung eine lästige Modeerscheinung ist.

Und deshalb stehe ich heute vor Euch – weil ich möchte, dass meine kleine Tochter sich solche Fragen nicht mehr gefallen lassen muss!

© Andreas Gregor

Für mich bedeutet das: gleicher Lohn für gleiche Arbeit,
verbindliche Frauenquoten,
flexible Arbeitszeitmodelle,
Unterstützung für Gründerinnen,
eine flächendeckende und zuverlässige Kinderbetreuung,
Unterstützung für Frauenhäuser
und verdammt noch mal die Abschaffung des unsäglichen §218.

Ekin und Saskia haben dafür weit über die letzte Legislatur hinaus dafür gekämpft und großartige Arbeit für Frauenrechte und Frauengesundheit geleistet – Euch gilt mein größter Dank! Ihr seid Vorbilder für uns alle!

Denn eines ist klar:
Ohne Frauen gibt es keine funktionierende Gesellschaft, kein Wirtschaftswachstum – und keine Zukunft!

Wenn ich über die Zukunft nachdenke, sehe ich meine Tochter in dem Dorf aufwachsen, in dem auch ich groß geworden bin. Ein Ort, voller Möglichkeiten – so sollte es sein. Doch im ländlichen Raum fehlen oft die Perspektiven. Tradition und Vorurteile setzen unnötige Grenzen, während innovative Ideen an mangelnder Unterstützung scheitern. Busse fahren zu selten, schnelles Internet bleibt ein Wunsch, und viele junge Menschen fühlen sich gezwungen, wegzuziehen - wenn es denn der Geldbeutel erlaubt. Aber das darf nicht die Realität unseres ländlichen Raums bleiben – und es ist nicht die Zukunft, die ich für sie will.

Niemand sollte zwischen seinem Zuhause und seinen Chancen wählen müssen. Stattdessen brauchen wir Mobilität, die verbindet – von zuverlässigen Bus- und Bahnverbindungen bis hin zu schnellen digitalen Netzen. Wir brauchen vor Ort attraktive Arbeitsplätze, die innovativ, nachhaltig und zukunftsfähig sind. Und wir müssen Menschen dazu ermutigen, ihre Ideen gerade im ländlichen Raum umzusetzen, mit gezielter Unterstützung für Gründungen, kleine Betriebe und kulturelle Initiativen.

Doch all diese Zukunftspläne für den ländlichen Raum hängen von einer entscheidenden Grundlage ab: unserer Natur. Mein Studium hat mir hier die Augen geöffnet. Als ich hitzeresistenten Weizen untersuchte, wurde mir bewusst, dass die Klimakrise keine abstrakte Zukunftsfrage mehr ist – sie ist längst Realität. Unsere Landwirtinnen und Landwirte spüren die Folgen täglich: Trockenheit, Starkregen, Hitzewellen. Gleichzeitig schrumpfen Lebensräume und wertvolle Arten sterben aus.
Es ist hier schon lange nicht mehr fünft vor zwölf – es ist längst Zeit zu handeln!

Deshalb brauchen wir jetzt eine Landwirtschaftspolitik, die unsere Betriebe stärkt und gleichzeitig die Natur in den Fokus rückt. Wir müssen in Forschung und Zukunft investieren – in klimaresistente Pflanzen, nachhaltige Anbaumethoden und regionale Wertschöpfungsketten.

Die Landwirtschaft ist nicht das Problem – sie ist Teil der Lösung, um die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen zu sichern.

Genau dafür müssen wir die Menschen gewinnen! Wir müssen die Menschen in den kommenden Monaten wieder für grüne Ideen begeistern. Wir müssen Zuhören, Mitnehmen und Umsetzen – und genau dieser Stil sollte wieder der Kern unserer Politik werden. Grüne Politik braucht nicht nur Gesetze und Investitionen – sie muss auch bei den Menschen vor Ort ankommen. Nur so können wir den Menschen wieder überzeugen, dass grüne Politik Lösungen für alle bietet.

Mein Name ist Bianca Pircher. Ich bin Biologin, Mutter und Votenträgerin der Grünen Jugend Bayern.

Ich kandidiere für den Bundestag, weil ich nicht akzeptiere, dass meine Tochter in einer Welt aufwächst, in der Frauen immer noch nicht für voll genommen und objektifiziert werden, und in der die Klimakrise unser aller Lebensgrundlagen bedroht.

Sie soll in einer Welt leben, in der ihre Stärke, ihr Ehrgeiz und ihre Leidenschaft zählen – in einer Welt, in der jedes Kind die gleichen Chancen hat, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Wohnort, und in eine Welt, in der Naturschutz kein Lippenbekenntnis ist, sondern die Grundlage unseres Handelns.

Diese Vision ist möglich – aber nur, wenn wir sie gemeinsam anpacken. Lasst uns heute damit beginnen.

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Aufbruch. Ein Mensch. Mein Wort.

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Platz 16 der Landesliste